Female-led Betriebe sind Unternehmen, in denen Frauen die geschäftliche Richtung maßgeblich bestimmen, etwa als Gründerinnen, Eigentümerinnen oder Geschäftsführerinnen. Im Alltag meint der Begriff oft klassische Unternehmerinnenbetriebe. Im Startup-Umfeld wird er meist breiter verwendet und umfasst häufig Teams mit zumindest einer Frau im Gründerteam. Dadurch reicht das Spektrum von kleinen Handwerks- und Handelsbetrieben bis zu schnell wachsenden Tech- und Nachhaltigkeits-Startups.
Das Thema ist wirtschaftlich wichtig, weil von Frauen geführte Unternehmen in Österreich längst kein Randphänomen mehr sind. Laut aktuellen Zahlen liegt der Frauenanteil in der österreichischen Unternehmenslandschaft sehr hoch. Gleichzeitig zeigt sich bei Finanzierungen noch immer eine deutliche Lücke. Genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Beispiele, Chancen, Investmentmodelle und typische Hürden.
Was bedeutet Female-led in Österreich
Im österreichischen Kontext kann man grob zwischen zwei Gruppen unterscheiden. Die erste Gruppe sind klassische Unternehmen, die von Frauen geführt oder gegründet wurden, etwa Manufakturen, Dienstleistungsbetriebe, Labels oder Handelsunternehmen. Die zweite Gruppe sind Startups, bei denen mindestens eine Frau im Gründerteam ist. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil in Medien und Reports oft beide Gruppen unter dem Begriff Female-led oder female-founded zusammengefasst werden.
Besonders spannend ist das Thema deshalb, weil es nicht nur um Gleichstellung geht, sondern auch um Innovation, Arbeitsplatzaufbau, regionale Wertschöpfung und Kapitalzugang. Female-led Betriebe sind in Österreich in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Lebensmittel, Mode, Design, Biotech, Beauty, Handel und Community-getriebenen Marken sichtbar.
| Fakt | Einordnung |
|---|---|
| 22 % weibliche Founder | So hoch war laut Austrian Startup Monitor 2024 der Anteil weiblicher Gründerpersonen in Österreichs Startup-Szene. |
| 37 % Startups mit mindestens einer Gründerin | Mehr als ein Drittel aller österreichischen Startups hat bereits zumindest eine Frau im Gründungsteam. |
| 39,8 % aller Unternehmen von Frauen geleitet | Frauen prägen damit einen großen Teil der realen österreichischen Unternehmenslandschaft. |
| 11,2 % weibliche Founder in finanzierten Startups | Hier zeigt sich die Finanzierungslücke besonders deutlich: Sichtbarkeit und Finanzierung entwickeln sich nicht gleich schnell. |
Beispiele aus Österreich
Die folgenden Beispiele zeigen, wie unterschiedlich Female-led Betriebe in Österreich sein können. Manche sind klassische Marken mit starkem Community-Aufbau, andere technologiegetriebene Unternehmen mit Innovationsfokus. Die Instagram-Profile sind vor allem für Markenaufbau, Reichweite, Community und Produktinszenierung interessant.
| Betrieb | Bereich | Wer führt oder gründete das Unternehmen | Instagram Profil | Warum interessant |
|---|---|---|---|---|
| Unverschwendet | Food, Nachhaltigkeit | Mitgründerin und CEO ist Cornelia Diesenreiter | @unverschwendet | Ein starkes österreichisches Beispiel dafür, wie aus Lebensmittelrettung eine klar positionierte Marke mit Produktlinie, Storytelling und Medienpräsenz wird. |
| Veganista | Gastronomie, Konsumgüter | Gegründet von den Schwestern Susanna und Cecilia | @veganistaicecream | Female-led kann auch bedeuten, eine Nische früh zu besetzen und daraus eine bekannte Marke mit hoher Wiedererkennbarkeit zu machen. |
| Wiener Seife | Manufaktur, Pflegeprodukte | Geschäftsführende Gesellschafterin ist Sonja Baldauf | @wienerseife | Dieses Beispiel zeigt, dass Female-led nicht nur Startup heißt, sondern auch Handwerk, Produktqualität, Standorttreue und Markenpflege. |
| Vienna Textile Lab | Biotech, Textilinnovation | CEO und Founder ist Dr. Karin Fleck | @viennatextilelab | Ein spannendes Beispiel aus Österreich für forschungsnahe Innovation, nachhaltige Materialien und internationale Skalierbarkeit. |
| Pairadize | Mode, D2C, Lifestyle | Gegründet von Julia und Stephanie Bässler | @pairadize | Eine Marke mit starker Social-Media-Präsenz, klarer Bildsprache und direkter Kundinnenansprache. Das zeigt, wie wichtig Community und Sichtbarkeit für Wachstum sind. |
Warum Female-led Betriebe wirtschaftlich relevant sind
Von Frauen geführte Betriebe sind wirtschaftlich relevant, weil sie Beschäftigung schaffen, regionale Kreisläufe stärken und häufig neue Märkte früh besetzen. Gerade in Österreich sieht man das gut in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Lebensmittel, Gesundheit, Design, Bildung, Mode oder Beauty. Dort entstehen viele Marken, die stark über Vertrauen, Qualität und Community wachsen.
Auch für das Innovationssystem sind Female-led Betriebe wichtig. Sie erweitern Perspektiven, schaffen oft neue Lösungsansätze und sprechen Zielgruppen an, die in klassischen Unternehmerbildern lange unterrepräsentiert waren. Das ist nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern auch betriebswirtschaftlich interessant, weil neue Bedürfnisse oft früher erkannt und produktiv in Geschäftsmodelle übersetzt werden.
Gleichzeitig zeigt sich in Österreich eine klare Diskrepanz: Frauen führen viele Unternehmen, sind aber in größeren Finanzierungsrunden noch deutlich schwächer vertreten. Genau hier entsteht eine wirtschaftliche Lücke. Wenn gute Ideen weniger Kapital erhalten, bleibt auch Wachstumspotenzial ungenutzt.
Wie hier investiert wird und wer wichtig ist
Im Bereich Female-led Betriebe muss man zwischen Netzwerken, Fonds, Förderstellen und klassischen Investorinnen und Investoren unterscheiden. Nicht jede Unterstützung ist sofort Venture Capital. In Österreich ist die Mischung aus Förderungen, Community, Pilotkundschaft, Business Angels und späterem Wachstumskapital besonders wichtig.
| Akteur | Art der Unterstützung | Wie investiert oder unterstützt wird | Warum das wichtig ist |
|---|---|---|---|
| Female Founders | Ökosystem, Community, Programme | Kein klassischer VC-Fonds, sondern Netzwerk, Programme, Sichtbarkeit, Investorinnen-Zugang und Vorbereitung auf Fundraising | Female Founders hilft Gründerinnen dabei, investor-ready zu werden und die richtigen Kontakte zu bekommen. |
| Fund F | VC-Fonds | Investiert in Pre-Seed und Seed mit Tickets von bis zu 600.000 Euro, wenn mindestens eine weibliche Co-Founderin im Team ist | Das ist eines der sichtbarsten Beispiele für gezieltes Kapital für gender-diverse Teams in Europa mit starkem Bezug zu Österreich. |
| aws Seedfinancing Innovative Solutions | Öffentliche Förderung | Bis zu 356.000 Euro möglich, mit Gender Bonus bis zu 400.000 Euro und bis zu 90 % Förderintensität | Gerade für frühe Phasen ist das oft realistischer und schneller erreichbar als eine große VC-Runde. |
| aws Seedfinancing Deep Tech | Öffentliche Förderung | Bis zu 889.000 Euro möglich, mit Gender Bonus bis zu 1.000.000 Euro | Für technologieintensive Teams ist das ein starker Hebel, um Forschung und Marktstart zu finanzieren. |
| FFG und weitere Förderprogramme | Förderung, Projektfinanzierung | Projektbezogene Unterstützung, etwa für Entwicklung, Forschung, Markteinführung und Innovation | Viele Gründerinnen gehen zuerst über Förderungen und erst später in klassische VC-Gespräche. |
| Business Angels und VC | Privates Kapital | Investment gegen Anteile, oft mit Netzwerk, Erfahrung und strategischer Begleitung | Hier ist die Hürde für Gründerinnen in Österreich noch höher, weil die Investorenszene weiterhin stark männlich geprägt ist. |
Warum Female Founders und ähnliche Netzwerke so wichtig sind
Viele Gründerinnen erleben nicht das Problem, dass ihre Idee schlecht ist, sondern dass ihnen der direkte Zugang zu Kapital, warmen Kontakten und Investorenrunden fehlt. Genau hier setzen Netzwerke wie Female Founders an. Sie verbessern den Dealflow, bereiten Pitching und Fundraising professionell vor und schaffen Vertrauen bei Investorinnen und Investoren.
Gerade in Österreich ist das relevant, weil Kapital nicht nur über klassische VC-Strukturen fließt. Förderlogik, Juryprozesse, Branchenkontakte und öffentliche Programme spielen eine größere Rolle als in manchen anderen Märkten. Gründerinnen profitieren deshalb stark, wenn sie früh in die richtigen Ökosysteme eingebunden sind.
Tipps für von Frauen geführte Betriebe
- Früh klar positionieren: Female-led allein ist noch kein Geschäftsmodell. Wichtig ist eine scharfe Positionierung mit erkennbarem Nutzen, klarer Zielgruppe und glaubwürdiger Geschichte.
- Instagram strategisch nutzen: Gerade bei Marken in Food, Beauty, Fashion, Design oder Manufaktur kann Instagram Vertrauen, Sichtbarkeit und Wiedererkennung stark erhöhen.
- Förderungen nicht unterschätzen: In Österreich kann öffentlicher Support ein entscheidender Wachstumsschritt sein, bevor privates Kapital realistisch wird.
- Eigentümerstruktur sauber planen: Wer Programme mit Gender Bonus nutzen will, sollte Beteiligungen, Rollen und Managementverantwortung früh sauber aufsetzen.
- Netzwerke aktiv aufbauen: Zugang zu Mentorinnen, Investorinnen, Business Angels und passenden Programmen macht in frühen Phasen oft den größten Unterschied.
- Kennzahlen mitdenken: Gute Storys helfen, aber am Ende zählen auch Marge, Wachstum, Wiederkaufrate, Nachfrage, Produktfit und Skalierbarkeit.
Was man beim Begriff Female-led kritisch mitdenken sollte
Der Begriff ist hilfreich, aber nicht perfekt. Nicht jedes Unternehmen mit einer Frau im Team ist automatisch gleich stark von Frauen geführt. Umgekehrt gibt es viele starke Unternehmerinnenbetriebe, die nie als Female-led Startup bezeichnet werden, obwohl sie wirtschaftlich sehr erfolgreich sind. Deshalb lohnt sich immer ein genauer Blick darauf, wer tatsächlich Eigentum, Strategie, Management und Wachstum verantwortet.
Außerdem sollte man Female-led nicht nur als Diversity-Schlagwort behandeln. Für viele Betriebe ist das Thema ganz konkret mit Kapitalzugang, Sichtbarkeit, Arbeitgebermarke, Nachfolge, Finanzierung und Branchenbarrieren verbunden.
Fazit
Female-led Betriebe sind in Österreich ein wichtiger Teil der Wirtschaft. Sie reichen von der kleinen Manufaktur bis zum innovativen Tech-Unternehmen. Sichtbare Beispiele wie Unverschwendet, Veganista, Wiener Seife, Vienna Textile Lab oder Pairadize zeigen, wie unterschiedlich diese Unternehmen aufgebaut sein können. Gleichzeitig machen aktuelle Zahlen deutlich, dass es bei Finanzierungen noch immer spürbare Unterschiede gibt.
Wer sich für das Thema interessiert, sollte deshalb nicht nur auf einzelne Erfolgsgeschichten schauen. Spannend ist vor allem, wie Netzwerke, Förderprogramme, Fonds und Sichtbarkeit zusammenwirken. Genau dort entscheidet sich oft, ob aus einer guten Idee ein stark wachsender Betrieb wird.
Quellen
- Austrian Startup Monitor 2024: https://austrianstartupmonitor.at/wp-content/uploads/2025/05/ENG_AustrianStartupMonitor_2024-screen.pdf
- WKÖ Geschäftsbericht 2024, Frau in der Wirtschaft: https://bericht.wko.at/geschaeftsbericht/2024/frau-in-der-wirtschaft
- Female Founders, State of Fundraising 2024: https://female-founders.org/wp-content/uploads/2025/06/State-of-Fundraising-2024.pdf
- Fund F: https://www.fund-f.com/
- aws Programmdokument Preseed und Seedfinancing: https://www.aws.at/fileadmin/user_upload/Downloads/Sonstiges/2024_Programmdokument__Preseed_Seedfinancing_en.pdf
- aws Seedfinancing Deep Tech FAQ: https://www.aws.at/en/aws-seedfinancing-faq/
- Unverschwendet Team und Social Media: https://www.unverschwendet.at/unser-team und https://www.instagram.com/unverschwendet/
- Veganista Über uns: https://www.veganista.at/%C3%BCberuns und Instagram: https://www.instagram.com/veganistaicecream/
- Wiener Seife Impressum: https://wienerseife.at/impressum/ und Instagram: https://www.instagram.com/wienerseife/
- Vienna Textile Lab: https://www.viennatextilelab.at/green-chemistry/ und Instagram: https://www.instagram.com/viennatextilelab/
- Pairadize: https://pairadize.com/the-brand/ und Instagram: https://www.instagram.com/pairadize/
FAQ
Was bedeutet Female-led genau?
Female-led bedeutet, dass Frauen ein Unternehmen maßgeblich führen oder prägen, etwa als Gründerinnen, Geschäftsführerinnen oder Eigentümerinnen. Im Startup-Bereich reicht oft schon mindestens eine Co-Founderin im Team, damit ein Unternehmen als female-founded oder female-led eingeordnet wird.
Gibt es in Österreich viele Female-led Betriebe?
Ja. Frauen führen in Österreich einen großen Teil der Unternehmen. Gleichzeitig steigt auch der Anteil von Startups mit mindestens einer Gründerin. Das Thema ist also längst kein Randbereich mehr.
Warum wird so oft über Female Founders gesprochen?
Weil Gründerinnen beim Zugang zu Kapital, Netzwerken und großen Finanzierungsrunden oft noch schlechtere Ausgangsbedingungen haben. Female Founders ist deshalb nicht nur ein Schlagwort, sondern ein wichtiges Ökosystem für Sichtbarkeit, Vernetzung und Vorbereitung auf Investitionen.
Welche Rolle spielt Instagram für Female-led Betriebe?
Instagram ist vor allem für Marken in Bereichen wie Food, Beauty, Mode, Lifestyle und Manufaktur wichtig. Dort hilft die Plattform beim Aufbau von Vertrauen, Community, Reichweite und Wiedererkennung. Für Investorinnen und Investoren ersetzt Social Media aber keine sauberen Kennzahlen.
Wie können Gründerinnen in Österreich leichter an Geld kommen?
Oft funktioniert ein Mix am besten: zuerst Förderungen, Pilotkundschaft und Netzwerkaufbau, danach Business Angels oder VC. Besonders relevant sind in Österreich Programme von aws, FFG sowie Fonds und Netzwerke mit Fokus auf gender-diverse Teams.








