Physiotherapie

Bandscheibenvorfall – Was nun, was tun? So reagieren Sie richtig auf die Diagnose

Physiotherapeut trainiert mit Kundin

Ein Bandscheibenvorfall kann sehr schmerzhaft sein, doch sollte sobald wie möglich operiert werden? Nein – auf keinem Fall. Wir erklären Ihnen warum und was Sie anstelle einer Operation am besten bei einem Bandscheibenvorfall machen können.


Was ist eine Bandscheibe?
Die Bandscheibe sitzt zwischen 2 Wirbelkörpern, Sie besteht aus einem Faserring und einem gelartigen Kern. Beim Bandscheibenvorfall reißt der Faserring der Bandscheibe ein und der Inhalt der Bandscheibe (der gelartige Kern) tritt aus – in den Wirbelkanal hinein. Der Bandscheibenvorfall drückt auf einen Nerv und das ist sehr schmerzhaft.


Warum passiert mir das?
Unsere Wirbelkonstruktion ist weder dafür gemacht, ausschließlich aufrecht zu stehen und gehen, und noch weniger dafür, viele Stunden beinah unbeweglich zu sitzen. Unsere Bandscheiben benötigen die Abwechslung von Druck und Entlastung, dadurch werden sie mit Nährstoffen versorgt. Ist dieser Ausgleich nicht gegeben, kann es zu einem Bandscheibenvorfall kommen.


Wie macht sich der Bandscheibenvorfall bemerkbar?
Als typisches Symptom gilt der akut einsetzende Beinschmerz. Oftmals beschrieben als ein plötzlich hinten oder an der Seite der Beine einschießender Schmerz. Bei manchen Menschen gehen oft wochenlange Rückenschmerzen dem „Schmerzerlebnis Bein“ voraus. Mithilfe einer Computertomographie (CT) oder einer Magnetresonanztherapie (MRT) wird beim Arzt eine zuverlässige Diagnose gestellt.


Muss man immer operieren?
Nein. In den meisten Fällen (Experten sprechen sogar von 90%) ist die konservative (= nicht operative) Behandlung völlig ausreichend.


Kommt es zu einer Notfall-Indikation, wenn etwa Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion auftreten, wird üblicherweise operiert. Solle Fälle – wie Auftretende Inkontinenz – werden allerdings nur durch einen Bandscheibenmassenvorfall hervorgerufen – das heißt, dass eine große Menge an Bandscheibengewebe ausgetreten ist.


In der modernen Medizin wird heute so selten wie möglich bei einem Bandscheibenvorfall operiert. Eine Fußheberschwäche – die Bewegungseinschränkung des Fußes oder Beines wie eingangs beschrieben – ist keine Lebensbedrohung und kann durch konservative Therapien sehr gut behandelt werden. Operationen machen die Beschwerden aufgrund von Vernarbungen oft gar nicht besser. Außerdem birgt jeder operative Eingriff ein Risiko an sich.


Die Empfehlung vieler Experten lautet, erst nach einer konservativen Therapie, die drei Monate lang erfolglos war, zu operieren.


Therapiemöglichkeiten bei einem Bandscheibenvorfall

Zur konservativen Therapie gehören sowohl Schmerzmittel, die vom Arzt in Form von Tabletten oder Spritzen verabreicht werden, als auch eine Physiotherapie.


Hierbei ist es wichtig, sofort mit der Physiotherapie zu beginnen, dies kann auch während einer ärztlichen Schmerzbehandlung geschehen.


Besonders wichtig ist die Bewegung. Früher wurde noch empfohlen sich hinzulegen und auszuruhen. Aus heutiger Sicht ist dies allerdings falsch. Mittlerweile wird zu Bewegung geraten, zu Anfangs moderat, dann mit dem Ziel des Muskelaufbaus. Dabei zeigt der Physiotherapeut wie man sich richtig bewegen kann und welche Übungen sinnvoll sind, um die Schmerzen zu reduzieren und einen schmerzfreien Zustand zu erlangen. Die Muskulatur muss wieder gelockert werden um die Bewegungseinschränkung aufzuheben.


Eine einfache Übung ist, auf einem ausreichend hohen Gymnastikball aufrecht sitzend, leicht zu hopsen. Durch diese sitzende Auf-und-Ab-Bewegung werden die Bandscheiben ernährt. Beachten Sie, dass eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ebenfalls wichtig für Ihre Bandscheiben ist.


Bewegung und Training sind auch nach der akuten Bandscheibentherapie wichtig, vor allem die Bauchmuskulatur und die Rückenmuskulatur sollen weiter gekräftigt werden.


Ein weiterer Punkt, der erwähnt werden sollte, sind psychische Ursachen, die für Rückenschmerzen und in weiterer Folge Bandscheibenvorfälle verantwortlich sein können.


„Die Welt auf seinen Schultern tragen“ oder „Die Angst sitzt mir im Nacken“, vielleicht kommen Ihnen diese Sprüche bekannt vor. Tatsächlich können sich psychische Ängste als körperliche Blockaden festsetzen. Stress etwa kann dazu führen, dass sich Ihre Rückenmuskulatur anspannt und mitunter verhärtet. Seelische Unausgeglichenheit und ein auftretender Bandscheibenvorfall können also durchaus in direktem Zusammenhang stehen.

Welche Therapie greift hier? Ihr Physiotherapeut kennt manuelle Therapien bei denen nicht nur Wirbel auf sanfte Weise an die richtige Stelle gerückt, sondern auch innere Blockaden und Spannungen gelöst werden. So spricht etwa die CranioSacral Therapie sowohl die physische als auch die psychische Ebene des Menschen an, um Spannungen im Körper zu lösen und seine Selbstheilungskräfte anzuregen.

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